| 23. September 2009
Émile Zola (* 2. April 1840 in Paris; † 29. September 1902 in Paris) war ein französischer Schriftsteller und Journalist.
Zola gilt als einer der großen französischen Romanciers des 19. Jahrhunderts und als Leitfigur der gesamteuropäischen literarischen Strömung des Naturalismus. Zugleich war er ein sehr aktiver Journalist, der sich auf einer gemäßigt linken Position am politischen Leben beteiligte.
Sein Artikel J'accuse …! (Ich klage an …!) anlässlich der Dreyfus-Affäre war ein wichtiges Element bei der schließlichen Rehabilitierung des fälschlich wegen Landesverrats verurteilten Offiziers Alfred Dreyfus.
Jugend und literarische Anfänge [Bearbeiten]
Émile ZolaÉmile Zola wurde in Paris als Sohn des italienisch-österreichischen Eisenbahningenieurs Francesco Zola (eigtl. Zolla) geboren, der sich in Frankreich niedergelassen hatte, nachdem aus Geldmangel sein Projekt einer Pferdeeisenbahn Linz-Gmunden gescheitert war. Seine Mutter, Émilie Aurélie Aubert (1819–1880), war Französin.
Zola wuchs in Aix-en-Provence auf, wo er mit dem späteren großen Maler Paul Cézanne und dem späteren Bildhauer Philippe Solari befreundet war. Seine letzten Schuljahre verbrachte er wieder in Paris, wohin seine Mutter schon vor ihm zurückgekehrt war. Nachdem er 1859 durch das Baccalauréat gefallen war, nahm er verschiedene Arbeiten an. So war er beispielsweise längere Zeit Werbeleiter beim Verlag Hachette und betätigte sich als Schriftsteller in allen Genres, auch als Lyriker.
Sein Durchbruch wurde 1867 der Roman Thérèse Raquin, der eine spannende Handlung um die zur Ehebrecherin und Mörderin werdende Titelheldin mit einer ungeschönten Schilderung des Pariser Kleinbürgertums verbindet. Das Vorwort zur zweiten Auflage 1868, in dem Zola sich gegen seine gutbürgerlichen Kritiker und ihren Vorwurf der Geschmacklosigkeit verteidigt, wurde zum Manifest der jungen naturalistischen Schule, zu deren Oberhaupt Zola nach und nach avancierte.
Der Romancier [Bearbeiten]
Ab 1869 (bis 1893) konzipierte er, nach dem Vorbild von Honoré de Balzac, die meisten seiner Romane als Teile einer Serie mit dem Titel Les Rougon-Macquart. Histoire naturelle et sociale d'une famille sous le Second Empire/Die R.-M. Die Natur- und Sozialgeschichte einer Familie im Zweiten Kaiserreich. Die insgesamt 20 Romane des Zyklus sollten eine Art positivistisch begründeter Familiengeschichte sein, nämlich des der Bourgeoisie zuzuordnenden Rougon-Zweiges und des der Unterschicht angehörenden Macquart-Zweiges. Hierbei sollten die einzelnen Figuren als durch ihre Erbanlagen (z. B. den Hang zum Alkoholismus), ihr Milieu (Bourgeoisie oder Unterschicht) und die historischen Umstände (die sozio-ökonomischen Verhältnisse des Zweiten Kaiserreichs, 1852–70) völlig determiniert vorgestellt werden. Glücklicherweise wirken sie dank Zolas schriftstellerischem Temperament menschlich und lebendig genug, um dem Leser nicht als bloße Marionetten und Demonstrationsobjekte zu erscheinen.
Das erzählerische Werk Zolas ist, ähnlich wie das der Goncourts, eine Fundgrube für Sozialhistoriker. Allerdings sind die vom Autor geschilderten Verhältnisse naturgemäß eher die der 70er/80er Jahre, d. h. die der Entstehungszeit der Romane, und weniger die der 50er/60er, in denen die Handlungen spielen.
Die wichtigsten Romane [Bearbeiten]
Édouard Manet: Émile Zola, 1868Zu Zolas Lebzeiten am erfolgreichsten war La Débâcle/Der Zusammenbruch (1892), dessen Handlung vor dem Hintergrund des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 und der blutig unterdrückten Pariser Commune spielt. Ebenfalls ein großer Erfolg war Nana (1879/1880), die Geschichte einer jungen Frau aus dem Volk, die dank ihrer sexuellen Attraktivität einen Aufstieg zur kostenträchtigen Geliebten eines Grafen erlebt, durch ihren Hang zu Ausschweifungen aller Art jedoch in Niedergang, Krankheit und frühem Tod endet. Heute noch gelesen werden vor allem die beiden Romane L'Assommoir/Der Totschläger (1877), wo am Schicksal einer Pariser Wäscherin und ihrer Familie sehr eingängig die Auswirkungen des Alkoholismus im beengten und tristen Pariser Unterschichtenmilieu beschrieben werden, und Germinal (1885), die dramatische Geschichte eines Bergarbeiterstreiks im Kräftefeld der wirtschaftlichen und ideologischen Antagonismen der Zeit, die Zola aus der Perspektive eines sozial engagierten Bourgeois beurteilt, der die Lehren der unterschiedlichen Denker der Arbeiterbewegung Pierre-Joseph Proudhon und Charles Fourier zumindest in ihren Leitideen kennt und billigt. Besonders erwähnenswert auch ist L'Œuvre/Das Werk (1886), weil sich Paul Cézanne mit dem im Zentrum stehenden manischen Maler gemeint glaubte und empört mit Zola brach.
Mehrere der Romane, unter anderem Thérèse Raquin, Nana, L'Assommoir und Germinal, wurden bald nach ihrem Erscheinen zu erfolgreichen Theaterstücken verarbeitet und später auch verfilmt.
Der Publizist [Bearbeiten]
Das Autograph des Briefes an den Präsidenten Félix FaureVom Anfang seiner schriftstellerischen Laufbahn an war Zola immer auch journalistisch aktiv. Am 13. Januar 1898 versuchte er mit einem offenen Brief an den Staatspräsidenten Félix Faure, sein persönliches Prestige für den offenbar zu Unrecht als prodeutscher Verräter verurteilten Hauptmann Alfred Dreyfus einzusetzen. Dieser Brief mit dem Titel J'accuse …! / Ich klage an …! entfachte einen ungeahnten innenpolitischen Sturm, der Frankreich für Jahre, oft bis in die Familien hinein, spaltete in Dreyfusards und Antidreyfusards, d. h. ein progressives linkes Lager und ein konservatives rechtes, das zugleich militant nationalistisch und antisemitisch war. Zola selbst wurde noch 1898 vom Kriegsminister sowie von einigen Privatpersonen verklagt und in durchaus politischen Prozessen wegen „Diffamierung“ zu einer Geld- und (kurzen) Gefängnisstrafe verurteilt, der er sich jedoch durch Flucht nach London entzog, wo er fast ein Jahr blieb.
Sein Tod durch eine Rauchvergiftung in seiner Pariser Wohnung zu Beginn der Heizperiode 1902 war möglicherweise das Werk eines nationalistischen Ofensetzers, der im Sommer eine Reparatur durchgeführt hatte. Sechs Jahre später wurden die Überreste Zolas auf Anordnung der inzwischen linken französischen Regierung in das Panthéon überführt, auch in Würdigung seines Engagements in der Dreyfus-Affäre.
Unter der Regie von William Dieterle entstand 1937 unter dem Titel The Life of Emile Zola eine Filmbiografie mit Paul Muni in der Titelrolle.
Die Bände des Zyklus der Rougon-Macquart [Bearbeiten]
Philippe Solari: Grabmal von Émile Zola auf dem Friedhof Montmartre.Das Glück der Familie Rougon (La fortune des Rougon 1871), Manesse Bibliothek der Weltliteratur 2003, ISBN 3-7175-2024-5
Die Beute (La curée 1871), Artemis & Winkler 1998, ISBN 3-538-05401-0
Der Bauch von Paris (Le ventre de Paris 1873)
Die Eroberung von Plassans (La conquête de Plassans 1874)
Die Sünde des Abbé Mouret (La faute de l'Abbé Mouret 1875)
Seine Exzellenz Eugene Rougon (Son excellence Eugène Rougon 1876)
Der Totschläger (L'Assommoir 1877)
Ein Blatt Liebe (Une page d'amour 1878)
Nana (Nana 1880)
Ein feines Haus (Pot-Bouille 1882)
Das Paradies der Damen (Au bonheur des dames 1883)
Die Freude am Leben (La joie de vivre 1884)
Germinal (Germinal 1885), Manesse Bibliothek der Weltliteratur 2002, ISBN 3-7175-2000-8
Das Werk (L'Œuvre 1886)
Die Erde (La terre 1887)
Der Traum (Le rêve 1888)
Die Bestie im Menschen / Das Tier im Menschen (La bête humaine 1890)
Das Geld (L'argent 1891)
Der Zusammenbruch (La débâcle 1892)
Doktor Pascal (Le docteur Pascal 1893), Manesse Bibliothek der Weltliteratur 1970
Erzählungen [Bearbeiten]
Meistererzählungen, Manesse Bibliothek der Weltliteratur 1994, ISBN 3-7175-1630-2, Inhalt: Der mich liebt, Das Blut, Ein Opfer der Reklame, Die vier Tage des Jean Gourdon, Für eine Liebesnacht, Nais Micoulin, Nantas, Der Tod des Oliver Bécaille, Die Muscheln von Monsieur Chabre, Jaques Damour, Angeline
Die Bände des Zyklus Trois Villes [Bearbeiten]
Lourdes (1894)
Rome (1896)
Paris (1898)
Die Bände des Zyklus Quatre Evangiles (Vier Evangelien) [Bearbeiten]
Fécondité (Fruchtbarkeit) (1899)
Travail (Arbeit) (1901)
Vérité (Wahrheit) (1903)
Justice (Gerechtigkeit) (unvollendet)
Deutsche Ausgaben der Thérèse Raquin:
Emile Zola, Thérèse Raquin. Übersetzt und herausgegeben von Wolfgang Tschöke, dtv, München 2002
Quelle: www.wikipedia.de



