| 22. September 2009
Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Spirituosen in 2 Kategorien gegliedert:
- 1. Natürliche Liköre, die durch Destillation natürlicher, zuckerhaltiger oder fermentierter Flüssigkeiten entstehen.
- 2. Künstliche Liköre, die durch Destillation von Pflanzen oder durch Zugabe von Essenzen in Alkohol entstehen.
Die künstlichen Liköre wurden in 2 Untergruppen gegliedert, die sich mehr oder weniger auf die Schädlichekeit der Essenzen bei der Herstellung bezieht. Die von der Wissenschaft anvisierte Untergruppe war die der künstlichen Liköre, denn in dieser Gruppe befanden sich natürlich auch Absinthe und dessen Artverwante wie der Bitter oder der Vermouth.
Man unterschied zwischen absolut schädlichen und giftigen Essenzen:
- Großer Wermut
- Kleiner Wermut
- Genepi
- Ysop
- Sternanis
- Rauke
- Bittermandel
und weniger giftige Essenzen:
- Minze
- Salbei
- Melisse
- Thymian
- Oregano
- Fenchel
- Anis
- Koriander
- Kümmel
- Muskat
- Lorbeer
Diese Liste wurde von der medizinischen Akademie rein willkürlich so gewählt. Schließlich gab es dann nur noch eine Liste, die "Die Königin der Gifte ihrer Art" genannt wurde. Sie lehnte es ab, genauer zu differenzieren und scherte lieber alles über einen Kamm. 1903 wurde die giftigkeit von Wermutöl von der medizinischen Akademie Paris offiziell bestätigt. Die Idee basiert auf Untersuchungen von Dr. Valentin Magnan, der bereits 1868 angefangen hatte, die Auswirkungen von Absinthekonsum zu beobachten und zum Schluß kam, daß Absinthe andere Auswirkungen hat, als andere alkoholische Getränke.
Tierversuche
Bereits 1869 hatte Dr. Magnan eine Serie von Tierversuchen mit Wermutöl gemacht, denen er zum Vergleich Alkohol injezierte bzw. Wermutöl oral verabreichte. Sobald Magnan, dem Alkohol Wermutöl zusetzte, konnte er epileptische Anfälle und Krämpfe beobachten. Als Gegenversuch, versetzte er Alkohol mit Anisöl - und konnte keinerlei vergleichbare Auswirkungen feststellen.
Dr. Camus
Dr. Camus war wohl der einzige, der halbwegs realistische Versuche mit Hunden durchführte. Er verabreichte Hunden, auf ihr Körpergewicht bezogen ähnliche Mengen, die ein durchschnittlicher Mensch an einem Tag zu sich genommen hätte. Dabei stellte er fest, daß es ganz auf die körperliche und geistige Konsistenz des Probanden ankam, ob dieser Schaden nahm oder nicht. Seine Schlußfolgerung war, daß arme, schlecht ernährte Menschen, die möglicherweise auch noch andere Probleme hatten, wesentlich stärker vom Absinthismus betroffen waren, als wohlgenährte, gesunde Menschen.
Am 12.12.1907 wurde der maximale Wermutölgehalt in einem Liter Absinthe auf 1g festgelegt. Untersuchungen an einer Reihe von Absinthen aus Pontarlier vom 9.1.1908 ergab eine maximale Menge von 0,58g Wermutöl.



