| 22. September 2009
Um zu verstehen, warum Absinthe Anfang des 20. Jahrhunderts so verteufelt wurde, muß man wissen, daß nicht nur die Ätherischen Öle Auslöser der Probleme waren, sondern auch der oftmals minderwertige Alkohol, der zur Absintheproduktion verwendet wurde.Absinthe ist strenggenommen ja ein Kräuterschnaps. Anders als bei Obstschnaps ist in den Kräutern keine Stärke oder Zucker, die durch Einmaischung vergoren werden könnte. Daher ist man gezwungen, die Kräuter zu mazeriere - d.h. in hochporzentigem Alkohol ziehen zu lassen. Heute hat der verwendete Rohalkohol ca. 96% vol. und ist so rein, daß man ihn bedenkenlos pur trinken könnte. Selbstverständlich mit der entsprechenden alkoholischen Wirkung! Allerdings ohne, daß man spätere Gesundheitsschäden befürchten muß. Vor 100 - 150 Jahren konnte der Rohalkohol rein technisch nicht so hochrektifiziert werden. Man kann das auch deutlich in den Rezeptbüchern (z.B. von Brevans, Bedel, Duplais oder Fritsch) sehen. Dort wird immer von 85% Alkohol gesprochen. Einerseits war es bei dieser Stärke durchaus noch möglich, den Ursprung (also Getreide, Kartoffeln, Obst und Obstresten, Nüssen, oder Wein) herauszuschmecken, anderseits war dieser Alkohol auch nicht so sauber wie wir es heute kennen. Es ist ziemlich sicher, daß die Aromen der Ursrungsprodulte des verwendeten Rohalkohols ins Endprodukt übergegangen sind und Absinthe deswegen gerne mit Zucker getrunken wurde. Die Annahme, daß Weinalkohol automatisch der beste Rohalkohol ist, ist falsch. Untersuchungen haben ergeben, daß schlecht rektifizierter Wein 12 mal mehr Unreinheiten aufweist, als sauber rektifizierter Industriealkohol.
Die Gefahr des Absinthes lag also einerseits bei den Ätherischen Ölen und anderseits beim minderwertigen Alkohl. Dazu kam auch noch eine heute unvorstellbare Lagerung - oftmals in Bleifässern...



